Zweitausendzehn war für mich aus sportlicher Sicht das bisher herausfordernste Jahr. Warum? Ich bin meine erste richtige Langstrecke gefahren: von Dresden auf das Stilfser Joch. Während der Vorbereitungen die bereits im Herbst zweitausendneun begannen, habe ich immer wieder mit dem Gedanken gespielt, begleitend einen Blog zu schreiben. Zeitmangel und allgemeine Faulheit hatten dies konsequent zu verhindern gewusst, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, daß dies ein einmaliges Unterfangen werden sollte. Wie immer kommt esaber ganz anders und zweitausendelf werde ich wieder an der Elbspitze teilnehmen!

Hier werde ich also alles was einen Einfluss auf mein Leben auf zwei Räder hat dokumentieren, mit besonderem Augenmerk auf qualitativ hochwertigem und technisch innovativem Material. Mit etwas Glück gelingt es mir sogar meine Passionen Langstrecke und Leistungssport zu vermitteln!

12.6.11

Stimulanzien

... oder unverhofft kommt oft!

Nachdem mein 2000er Trainingslager in der zwanzigsten Kalenderwoche nicht nur mies startete sondern mit einem weiteren Speichenbruch und einer gerissen Kette - wohlgemerkt auf ein und derselben Tour - mindestens genauso mies auch zu Ende ging*, kam es im Anschluss wie es eigentlich immer kommt. Aus Frust wurde zur superkompensation dieser bekackten tollen Woche eine spontan ein 360km/4700hm-Pille verabreicht. Diese hat mich das erste mal seit dem Winter so richtig einbrechen lassen. Permanent die Gewitterfront vor Augen ging es mit der Moral rapide bergab, ein Schleicher am Hinterrad tat sein Übriges.

* statt der geplanten 2100km/25000hm lieferte diese Woche letztendlich nur 1600km/18000hm


Trotz schlimmster Unwetterwarnungen - die andern Orts wohl auch eingetreten sind - bin ich aber nur mit leichtem Nieselregen durch gekommen. Überhaupt hat es mich zweitausendelf erst einmal richtig nass gemacht, und das fünf Minuten vor meiner Haustür ... vermutlich fahre ich einfach zu wenig Fahrrad?!!

Ab km zweihundertsiebzig war dann endgültig kein Druck mehr auf dem Pedal, dass ich mich gezwungen sah das ganze Unterfangen Elbspitze in Frage zu stellen ... die übliche Verzweiflung eben. Glücklicher Weise stellt sich bei hinreichender Hartnäckigkeit aber früher oder später auch wieder eine Besserung ein. Schließlich habe ich es also doch noch nach Hause geschafft und liege nicht faulend in einem oberpfälzer Straßengraben! Und was blieb vom Tage übrig? Als Folge dieser Strapazen hat mir ein leichter Schnupfen in Verbindung mit meiner Gräser-Allergie meine Bronchen gefickt lahm gelegt - mal wieder Erfolg auf der ganzen Linie!

Es galt also erstens mindestens einen Gang raus zu nehmen und zweitens frühzeitig schweres Geschütz aufzufahren, damit ich nicht schon wieder kurz vor der ES flach liege. Gesagt getan, mit rein subjektiv mäßigem Erfolg. Die Bronchen nachwievor dicht war nur ein Bruchteil der Leistung auf dem Rad abrufbar und meine Laune stieg von Tag zu Tag. Die erste Wochen war also nicht an Strecken jenseits der zweihundert zu denken. Und was macht er jetzt? Auf Altebewährtes besinnen! Also werden wieder mal SB-Intervalle ausgepackt (die ich mir immer als KA-Einheiten verkaufe). Meine Lieblingseinheit besteht aus 2x20'@95-105% der ANS, gefolgt von einer Stunde@15xVO2-Max Sprints und wird wieder von 2x20'@95-105% abgeschlossen. Das macht man drei mal die Woche und lässt sich am Wochenende noch was langes durch die Schenkel und geht nach spätesten drei Wochen ab wie Zäpfchen! Tja, was soll ich sagen: mental mit dem mördermäßiges Formtief abgefunden hat's mich spontan gleich beim ersten Ausritt gerissen, so dass das erste Intervall gleich zu einem reichlich unkoordiniert ANS-Test mutieren. Immer die Minimalanforderung vor Augen nicht schlechter als vor zwei Monaten abzuschneiden - ja ich weiß, ich sollte mindestens einmal im Monat einen Feldtest machen - war ich vom Ergebnis mehr als nur angenehm überrascht: mit 365 Watt av. auf zwanzig Minuten entspricht das nach Friel (20'-Average*0.95) bei aktuellem Körpergewicht einer ANS von 4.2 W/kg! Ich muss aber gestehen, dass dieses Überaus zufriedenstellende Ergebnis zu großen Teilen auf entsprechende Stimulation über den Gehörgang zurückzuführen ist. Jedenfalls regt diese Mucke derart meine Milchsäuredrüsen an, dass ich garnicht anders kann als zu Keulen bis zum sukzessiven Kontrollverlust über nicht an der Fortbewegung beteiligter Körperfunktionen!



Mit diesen 4.2W/kg bin ich jedenfalls - wie bei meiner Größe auch nicht anders erwartet - alles andere als ein begnadeter Kletterer. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach sollte aber jeder der behauptet sportlich Fahrrad zu fahren unter anderem sich jenseits der 3.75W/kg bewegen! Was bin ich froh, dass ich dieses Kriterium gerade so erfüllt habe :D
Leider habe ich meinen Leistungmesser erst seit Ende 2010 weshalb mir entsprechende Vergleichswerte der vergangenen Saisons fehlen. Bestätigt hat sich hingegen meine Vermutung, dass meine Form im Winter immer mächtig in die Knie geht: mein erster ANS-Test lieferte Anfang zweitausendelf 275W. Ich konnte meine Schwelle in den Vergangenen vier Monaten also um 25% steigern. Das klingt eigentlich nicht schlecht. Dennoch wäre es mir lieber, wenn der winterliche Einbruch nicht so drastisch ausfallen würde! Mal sehen, ob und wie (mir schwant nichts Gutes) ich das in ferner Zukunft bewerkstelligen werde ...

Neu motiviert geht es so am Pfingstmontag - teilweise als Nightride - auf den Keil- und Fichtelberg. Mit dem freundlichen Nutzen erstens mit dem Grauen am Morgen besser zurecht zu kommen und um zweitens eventuell ein paar leckere Knödel anzugreifen. Und ganz nebenbei wird unterwegs die 10000 Kilometermarke für zweitausenelf geknackt, so früh im Jahr wie noch nie!

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